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4 Die
Currencytheorie
4.1 Die Hauptmerkmale der
CurrencytheorieGenauso wie die Bankingtheorie bildete sich in der
ersten Hälfte des
19. Jahrhunderts in England die Currencytheorie aufgrund
der Streitfrage, wie die englische Notenbank die Geldmenge am
zweckmäßigsten reguliere. Die Hauptvertreter der Currencytheorie
waren Lord Overstone und David Ricardo. Sie und ihre Anhänger forderten,
„daß eine genau abgegrenzte Geldmenge voll durch Gold gedeckt sein
müsse.“[16] Sie waren der
Meinung, „daß die Geldmenge und auch deren Umlaufgeschwindigkeit
einen Einfluß auf das Preisniveau haben und das die vorhandene Geldmenge
(Geldangebot) eines Landes auch seinem Bedarf (Geldnachfrage)
entspreche.“[17] Diese Aussage
begründeten sie damit, daß wenn sich die im Umlauf befindende
Geldmenge gegenüber dem Geldbedarf erhöht, so kann es zu einer
Erhöhung der Güterpreise kommen. Wenn sich die Geldmenge
gegenüber dem Geldbedarf unangepasst erhöht, spricht man auch von
einer Inflation, da das Geld immer mehr an Wert verliert. „Jedes Land
besitze daher auf Dauer die Geldmenge, die es gerade
braucht.“[18] Die
Currency-theoretiker forderten, „daß die ausgegebenen Banknoten zu
100 % durch Gold gedeckt sein
müßten.“[19] Ist
das umlaufende Geld zu 100 % durch Gold gedeckt, so wäre „eine
Zunahme der Geldmenge nur möglich, wenn in entsprechendem Umfang auch die
Goldproduktion gesteigert
wird.“[20] Das
bedeutet, wenn die englische Notenbank die sich im Umlauf befindende Geldmenge
erhöhen möchte, so muß sie gleichzeitig die Goldproduktion
steigern, da sich nach der Geldmengenerhöhung mehr Geld als vorher im
Umlauf befindet, das zu 100 % durch Gold gedeckt sein muß. Der
Grund-gedanke der Currencytheoretiker war, „daß die Nachfrage
nach Geld in der Wirtschaft unbegrenzt sei und daher zur Verhinderung einer
Inflation die Geldmenge [durch die Notenbank] künstlich knapp
gehalten werden müsse und alle umlaufenden Banknoten durch Gold zu decken
seien.“[21]
Die
Currencyanhänger waren aber damit einverstanden,
„daß eine bestimmte von der Notenbank an den Staat ausgeliehene und
von diesem in Umlauf gebrachte Grundgeldmenge von der Golddeckungspflicht
befreit sein könne, wenn diese Grundgeldmenge stattdessen durch die Ausgabe
eines ent-sprechenden Volumens von Staatspapieren gedeckt
werde.“[22] Als Staatspapiere
bezeichnet man die „vom Staat zum Zwecke der Kreditaufnahme
ausgegebenen
Schuldtitel.“[23]
Kritisch zu sehen an der Currencytheorie ist der
Standpunkt, „daß sie geldtheoretisch primitiver als die
Bankingtheorie ist. Im Gegensatz zur Banking-
theorie wird von der Currencytheorie nicht beachtet,
daß es in der Volkswirtschaft neben dem Bargeld auch Buchgeld
gibt.“[24] „Als Buchgeld
bezeichnet man Geld, daß auf den Konten (in den Büchern) der
Geldinstitute existiert. Häufig wird anstatt von Buchgeld auch von
Giralgeld gesprochen.“[25] Des
Weiteren ist an der Currencytheorie kritisch zu erwähnen, „daß
die von ihr geforderte starre Begrenzung der Bargeldmenge zu schweren
Störungen des wirtschaftlichen Ablaufs führen kann, da sich die
Wirtschaft in dauernder Entwicklung befindet, das heißt das Umsatzvolumen
ändert sich
ständig.“[26] Das
bedeutet, wenn die Wirtschaft ein hohes Umsatz- bzw. Produktions-volumen hat,
die sich im Umlauf befindende Bargeldmenge aber gering ist, so kann die Folge
davon sein, daß die Unternehmen die Preise für ihre Waren senken
müssen, damit sie diese überhaupt verkaufen können und
wettbewerbsfähig bleiben. Sinken die Preise anhaltend über einen
längeren Zeitraum, so spricht man auch von einer Deflation. „Aus
diesem Grund darf die Bargeldmenge, die der Wirtschaft zur Verfügung steht,
nicht starr begrenzt sein, sondern sie muß dem sich ändernden
Umsatzvolumen elastisch angepaßt
werden.“[27]
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